Ein langgestreckter Neubau als Rückgrat stärkt den Friedhof Schoren als ein nach innen gerichteter Ort der Besinnung. Das Krematorium formt einen prägenden Hintergrund und tritt durch seine Platzierung auf dem Grundstück in Kontext mit der bestehenden Abdankungshalle. Die öffentlichen Bereiche des Krematoriums - Foyer, Besuchergang und schliesslich Ofenvorraum - orientieren sich zur Friedhofslandschaft und stellen allgegenwärtig den Bezug zur Natur her, die in Ihrem wandelnden Erscheinungsbild die Kulisse für die Vorgänge der Abschiednahme bildet. Ein vorgelagertes Seerosenbecken und ein Vorhang gewährleisten die Privatsphäre der Trauergäste - je nach individuellen Umständen oder kulturellem Hintergrund.

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Ausgehend von dem konzeptionellen Gedanken der Ortsverbundenheit und dem thematischen Hintergrund der Vergänglichkeit stellt sich das Gebäude als steinernes Schichtwerk dar. Das Fassadenmaterial ist ein langformatiger Backstein der mit den Proportionen des Gebäudes korrespondiert. Die Horizontalität der Fassade wird durch eine deutliche Dominanz der Lagerfugen gegenüber den Stössen betont. Die Farbigkeit des Krematoriums entspricht der der Bodengestaltung im Freiraum, die teils plattenförmig, teils wassergebunden in sandig-erdigen Tönen gehalten ist. Im Inneren setzt sich das Motiv der Kontinuität in Form eines fugenlosen Terrazzos fort. Des Weiteren wird der Innen-Aussen-Bezug durch eine Holzvertäfelung thematisiert, die in ihrer Höhe das Fenster zum Friedhof aufgreift. Dieses Maß, exakt das Mittel der Raumhöhe, bildet im Innenraum einen umlaufenden Horizont.

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Ort CH-Thun
Bauherr Einwohnergemeinde Thun
Wettbewerb 2015